Erzählcafés

Mit dem Format „Erzählcafè“ setzt der Fachbereich Kultur ein etabliertes Format der Erinnerungskultur fort. Im Jahr 2019 war das Teilprojekt 5 „Kulturelles Erbe und Erinnerungskultur“ Schwerpunktthema im Umsetzungsprozess der Kulturentwicklungsplanung (KEP) und laufende partizipative Formate wie das“Erzählcafé“ und die „Geschichtswerkstatt“ wurden angestoßen. Nach den Themen „Textilindustrie“ und „50 Jahre Kommunale Neugliederung“ ist das „Badespaß“-Erzählcafè nun die dritte Ausgabe der Veranstaltung.


„Badespaß Gütersloh und die Badekultur“

Trotz widriger Wetterbedingungen konnte sich das vom Fachbereich Kultur der Stadt Gütersloh

organisierte Erzählcafé über mangelnde Besucherzahlen nicht beklagen. Insgesamt

gut 30 Besucher kamen um in Erinnerungen rund um die Gütersloher Bäderkultur zu schwelgen. Als Veranstaltungsort wurde das Wapelbad, als ältestes aller noch bestehenden Gütersloher Bäder gewählt. Moderatorin Daniela Daus vom Fachbereich Kultur hatte sich für den Streifzug durch die Bäderkultur drei waschechte Experten eingeladen:Die langjährige Türmer-Wirtin Waltraud „Puttchen“ Neumann (70) hat mit ihren fast sieben Jahrzehnten Wassererfahrung alle Gütersloher Bademöglichkeiten kennen, lieben und schätzen gelernt. Diplom-Ingenieur Matthias Markstedt ist seit 2007 als Vorsitzender des „Fördervereins Wapelbad“ auch ohne offizielle Schwimmmeister-Ausbildung stadtweit nur als „Bademeister“ bekannt, Ulrich Paschke von der Unteren Denkmalbehörde ergänzte die Erzählungen der Augenzeugen auf der Bühne oder aus dem Publikum mit Zahlen, Daten, Fakten. Der Startsprung in die im Jahre 1925 begonnenen Annalen der wechselvolle Gütersloher Bädergeschichte erfolgte standesgemäß am Ort des Geschehens - dem Wapelbad. Aus Gründen der Volksgesundheit, aber auch zu Spaß-und Freizeitgestaltung beschloss der Magistrat der Stadt vor fast 100 Jahren die Einrichtung einer Badegelegenheit an der Wapel. In Ermangelung eines eigenen Grundstückes wurde per Vertrag vom 08.Juni 1925 ein Wiesengrundstück für die Errichtung eines Freibades vom Bauern Kollmeyer angemietet. Die Liegewiese umfasst zunächst 1.200 qm, später wurde sie auf 3.900 erweitert. Heute umfasst das Areal fast 8.000 qm. Damals galten noch strenge Bade-Regeln: „Die Jungs durften Montag und Mittwoch schwimmen, die Mädchen Dienstag und Donnerstag. Für die Nicht-Schwimmer lagen dicke Autoreifen bereit, die Fahrradwache kostete 5 Pfennig“ erinnerte sich eine Zuschauerin noch genau an ihre Jugend. Puttchen Neumann’s Leidenschaft für’s Wasser („Ich schwimme jeden

Tag“) wurde mit zarten fünf Jahren von ihrem Vater Hermann Surenhöfener (langjähriger Vorsitzender des 1906 gegründeten Gütersloher Schwimmvereines) ebenfalls in der Wapel geweckt: „Ich konnte zwar noch nicht richtig Schwimmen, aber anschließend gab’s immer ein Eis. So war unser Sommer hier.“ Auch in ihrer Pubertät spielten die Fähigkeiten der Jungs im Wasser ein gewichtige Rolle:

„Wer nicht Schwimmen konnte, der war nichts“, gab die langjährige Türmerwirtin unumwunden zu. Matthias Markstedts Geschichte mit dem Wapelbad begann Mitte der Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre mit dem heute zum Kulturgut gehörenden Wapelstern der Brummel-Schwestern: „Damals war das ein reines Fettgebäck. Wenn man das gegessen hat, hatte man eine Woche keinen Hunger“, grinste Markstedt. Weiter ging der Streifzug durch die Geschichte zum am 1. Juni 1928 eröffneten Parkbad auf der anderen Seite der Stadt. Während Ulrich Paschke an die architektonische Bedeutung des von Paul Heidrich im Bauhausstil entworfenen Flachgebäudes („Bauhausstil in Reinkultur“), den Kampf gegen den geplanten Abriss und die 1992 erfolgte Rettung durch den Eintrag in die Denkmalliste erinnerte, rückte Matthias Markstedt die Folgen des Neubaus für das Wapelbad in den Fokus: „Der Eintritt im Parkbad kostete 10 Pfennig, im Wapelbad fünf. Daher entstand im Volksmund der Begriff „Arme-Leute-Bad“. Zwischen den Erzählungen über das extrem beliebte Baden in der Badewanne des am 2. April 1960 eröffneten Hallenbades Herzebrocker Straße und der Nordbad-Eröffnung durfte auch ein flammendes Plädoyer für den Schwimmunterricht für die Jüngsten

nicht fehlen. Waltraud Neumann: „Kinder müssen Schwimmen lernen! „


Die Geburt Hans Werner Henzes in Gütersloh ist zwar nur ein kleines Detail in seiner Biographie, er fühlte such seinem Heimatort dennoch verbunden. Dazu führte vor allem das Engagement des damaligen Kulturreferenten Klaus klein und seines Stellvertreters Joachim Martensmeier, die ab 1986 eine intensive Zusammenarbeit mit Henze in Form von überregional viel beachteten Festivals und Portraitkonzerten initiierten.

 

Im Rahmen des interaktiven Erzählcafés mit Zeitzeugen können die Gütersloher*innen "Henze Momente" wieder aufleben. Faszinierende, schillernde, brillant - das war Henze auch in Gütersloh, und es gibt viel zu erzählen und zu erfahren!




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Daniela Daus

Tel. 05241 - 82 3659

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