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Götzenidol-Holzfigur Sumatra Missionsarbeit

Im ersten Blogbeitrag berichte ich über eine mysteriöses und interessantes Fundstück aus dem Depot: Es handelt sich um ein Götzenidol aus Holz, das  von den Batak am Tobesee auf Sumatra angefertigt wurde. Vor einigen Jahren lieh der Historiker Eckhard Möller diese Figur zusammen mit einigen Speeren, einem Schwert und einem Schildkrötenpanzer dem Stadtmuseum. Die Gegenstände die uns Eckhard Möller überbracht hatte stammen, nach der Familienüberlieferung entweder von seinem Großvater, Julius Möller, oder von seinem Großonkel, Daniel Möller, dem Bruder seines Großvaters. Sie waren Söhne des gleichnamigen Gütersloher Gymnasialpastors Julius Möller. Julius Möller jun. der Pastorensohn, erreichte sein Abitur nicht und wurde von 1904 – 1907 im Betheler Baubüro zum Bauzeichner ausgebildet. Nach der Ausbildung an der Missionsschule in Barmen reiste er 1911 erstmals als Missionar nach Sumatra aus. Ein Jahr später heiratete er Marie Mangelsdorf, eine Nichte des Gütersloher Bürgermeisters Mangelsdorf. Nachdem diese bei der Geburt des dritten Kindes gestorben war, heiratete er in zweiter Ehe 1921 Katharina Warneck, eine Tochter des vormaligen Missionsdirektors Gustav Warneck. Julius Möller jun. kehrte nur zweimal zum Heimaturlaub nach Deutschland zurück, 1927  und 1937. Bei einem dieser Urlaube hat er vermutlich die besagten Gegenstände mitgebracht. Von seiner dritten Reise ist Julius Möller nicht zurückgekehrt. Er fand den Tod im Indischen Ozean, als ein japanisches Torpedo, das Schiff  versenkte, in dem deutsche Internierte im 2. Weltkrieg nach Indien gebracht werden sollten. Eckhard Möllers Großonkel Daniel Möller hingegen machte eine Ausbildung als Buchhändler und war zunächst in diesem Beruf tätig. Doch Inspiriert von seinem Bruder schlug er dann ebenfalls die Missionarslaufbahn ein und war anschließend auf der Sumatra vorgelagerten Insel Nias tätig. Daniel Möller hatte 1939 Heimaturlaub und konnte aufgrund des 2. Weltkrieges nicht mehr ausreisen. Für ihn als Quelle der der Mysteriösen Gegenstände spricht aber vor allem, dass seine Schwester, Magdalene Möller, mit der er von seiner Rückkehr an bis zu seinem Tod in einer Hausgemeinschaft gelebt hat, ab 1954 mit bei den Eltern von Eckhard Möller gewohnt hat.

 

 

Unabhängig davon, welches Familienmitglied die exotischen Mitbringsel nach Gütersloh gebracht hat, bleiben weitere Fragen: wozu genau wurden die Gegenstände benutzt? Waren Sie für den Stamm wertvoll und besonders oder ganz alltägliche Gegenstände? Wurden Sie den Missionaren als Freundschaftszeichen geschenkt, gekauft oder – vor allem im Fall des Götzenidols – von diesen „eingezogen“.  Da keiner der möglichen Vorbesitzer mehr lebt, bleiben diese Rätsel wohl leider für immer ungelöst. Die Götzenfigur war übrigens 2010 in der Sonderausstellung „Gütersloh global“ [https://stadtmuseum-guetersloh.de/2010/09/05/guetersloh-global/] zu sehen. Seitdem ist sie im Depot des Stadtmuseums eingelagert.