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75 Jahre Befreiung Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

 

 

 

 

Vor 75 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit. Ein Zeitraum, der noch nicht weit zurück liegt.

 

Im März 2017 habe ich das Konzentrationslager besucht. Es war kalt und es hat den ganzen Tag geregnet. Ich durfte dort fotografieren.

 

Aus dem heutigen Anlass der Befreiung zeige ich ein paar meiner Aufnahmen auf meiner Homepage.

 

In Vorbereitung auf meinen Besuch habe ich ein Buch über Wilhelm Brasse gelesen.

 

In diesem Newsletter möchte ich gerne den Fokus auf einen Aspekt des Konzentrationslagers lenken, der wahrscheinlich nicht so häufig im Blickpunkt steht und mit der Fotografie zu tun hat:

 

Den Fotografen von Auschwitz.

 

Der polnische Fotograf Wilhelm Brasse hat die Portraits der Häftlinge im Stammlager Auschwitz anfertigen müssen. Diese Fotografien, zumeist Portraits aus drei Blickwinkeln, haben viele sicher schonmal gesehen, aber über den Fotografen noch nicht viel gehört.

 

Wilhelm Brasse wurde im Dezember 1917 im polnischen Zywiec geboren und hatte in Kattowitz eine Ausbildung zum Fotografen absolviert. Er hatte deutsche Wurzeln, weswegen er sehr gut deutsch und polnisch sprach. Im August 1940 kam Wilhelm Brasse nach Auschwitz, da er sich geweigert hatte, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Im Lager musste er verschiedenste Zwangsarbeiten durchführen, bis er im Februar 1941 aufgrund seines Berufes in das "Arbeitskommando Erkennungsdienst politische Abteilung" in den Block 26 kam. Dort nahm er tagsüber in einem Studio die Portraits der neu angekommenden Häftlinge auf und nachts mussten die Bilder entwickelt werden. Da es zu viele Häftlinge waren, wurden bereits ab September 1941 keine Juden mehr fotografiert.

 

Ab da wurden nur noch andere Häftlinge fotografiert. Die fotografische Qualität von Wilhelm Brasse hatte sich in der SS herumgesprochen. Viele hohe Herren der SS ließen sich von Brasse portraitieren. Darunter auch Rudolf Höß, der das Lager mit aufgebaut und es lange geleitet hatte. Dr.

 

Carl Clauberg und Dr. Josef Mengele, die schreckliche medizinische Versuche durchgeführt hatten. Herr Brasse beschreibt Herrn Mengele ihm gegenüber als korrekten und freundlichen Herrn und er war mit den Fotografien sehr zufrieden. So zufrieden, dass Herr Brasse nun auch Fotografien von den medizinischen Versuchen anfertigen musste.

 

Neben all diesem Wahnsinn fotografierte Herr Brasse eines Tages ein paar Stiefmütterchen, die vor dem Block 26 gewachsen waren. Prinzipiell eine lebensgefährliche Aktion, soetwas eigenmächtig zu tun. Das Blumenbild gefiel den Herren der SS jedoch so gut, dass er es zu tausenden reproduzieren musste, damit sie als Postkarten verschickt werden konnten.

 

Nach Schätzungen von Herrn Brasse, hatte er in Auschwitz ca. 70.000 Fotografien angefertigt.

 

Im Winter 1944 wurde ein Teil seiner Negative in eine Kiste verpackt und von der SS weggeschafft. Es waren Negative von Erschießungen und den Aufnahmen der Menschversuche. Es hieß, der Ivan kommt und die Verbrechen sollten verschleiert werden. Im Januar 1945 bekam Wilhelm Brasse den Befehl, alles im Fotostudio zu vernichten. Er musste die Negative in einem Ofen verbrennen. Das tat er, solange er von den Vorgesetzten beobachtet wurde. Wurde er nicht kontrolliert, hatte er so viele Negative wie möglich in Sicherheit gebracht, da ihm bewusst war, das das wichtige und vielleicht die einzigen Beweismittel für die Gräueltaten sein werden. Am 21. Januar 1945 musste Wilhelm Brasse mit vielen anderen auf den sogenannten Todesmarsch nach Loslau. Von dort aus kam er noch in einige andere Arbeitslager, bis er schließlich erst am 6. Mai 1945 von den Amerikanern in Ebensee endgültig befreit wurde. Als Fotograf konnte Wilhlem Brasse nie wieder arbeiten. Im Oktober 2012 ist Wilhelm Brasse in seinem Geburtsort Zywiec gestorben.

 

 

 

Die Fotografien auf meiner Seite sind sowohl im Stammlager Auschwitz wie auch in Birkenau aufgenommen. Der Block 26 vom Erkennungsdienst, wo Wilhlem Brasse das Fotostudio hatte ist auf Bild 13 zu sehen. Zu besichtigen ist dieser Block heute nicht.

 

 

 

Es war im Sinne von Wilhelm Brasse, dass seine geretteten Fotografien heute als Mahnung dienen sollen, dass sich soetwas nie wieder wiederholt.

 

Drei Gründe hatte Brasse später gesagt, hätten ihn überleben lassen:

 

Glück, ein guter Beruf und Freundschaften.

 

Mit meinen Fotografien möchte ich an diesen Fotografen erinnern.

 

Wolf-Dieter Tabbert

Wolf-Dieter Tabbert

 

 

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